Kammweg Riesengebirge
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Prolog:
Die Idee war schon recht alt, es sollte wiederum ein Ausflug dem Kammweg gelten, auch diesmal vom Jeschken (Ještěd) ausgehend, aber in die andere Richtung. Die Vorbereitung erfolgte im Sebnitzer Wald, hier war nach unvergnüglichem Herumrutschen mit gewachsten Rennski auf Neuschnee rasch klar, daß andere Ski von Nöten seien. Also verbrachte ich am Folgetag einige Zeit damit, in Pirna beim Sportschulz zwei Paar Schuppenechsen zu besorgen, wobei sich diese Skiart neudeutsch Kurzski mit Steighilfe nennt, wie mir der Schulz grummelnd zu verstehen gab. Selbige wurden 2 Tage vor der Tour erprobt, was zufriedenstellend verlief, jedoch sahen die Ski anschließend bereits recht ramponiert aus.
Das Abenteuer begann in Sebnitz mit einem kurzem Fußmarsch vom Haus zur Bahnbrücke und nun bereits mit Hilfe der Ski über dieselbe und längs der Gleise zum Bahnhof in Nieder-Einsiedel (Dolní Poustevna). Per Zug ging die Reise nach Rumburg (Rumburk) und weiter nach Böhmisch Leipa (Česká Lípa). Den kurzen planmäßigen Umsteigehalt nutzten wir in der Bahnhofsrestauration für ein erstes Startbier, es stellte sich allerdings heraus, das auch Zeit für 3 weitere Biere und auch ein Paprička gewesen wäre, denn eine Verspätung von einer Stunde trat aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein. Die weitere Reise führte stockend über Niemes (Mimon), Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí), Jeschkenkamm (Křízankě sedlo) und Neuländer Viadukt (Novina žel. most) nach Reichenberg (Liberec). Die Zeit reichte hier gerade noch für einen kurzen Imbiss, danach mußte die Straßenbahn im Laufschritt erjagt werden, der wir im Dämmerlicht am Jeschkenfuß entstiegen.
Der Einfachheit halber wählten wir den Aufstieg längs der Abfahrtsskipiste, was eine wortreiche Auseinandersetzung mit einem der Pistenrauplinge zur Folge hatte, uns aber nicht an unserem Vorhaben hinderte, auch wenn er beim Planieren noch mehrfach an uns vorbeifuhr und herumnölte. Aber bald waren wir seinem Bereich entstiegen und rauften uns weiter den Berg hinauf um am Ende direkt an der Station der Kabinenbahn über die Mauer zu hüpfen. Im Berghotel auf dem Jeschken (Ještěd) fiel uns dann als erstes ein Schild ins Auge, welches Übernachtungsgästen die kostenlose Seilbahnfahrt zum Gipfel garantierte. Das vorbestellte Zimmer wurde bezogen, wir dekorierten den Flur mit nassen Schuhen und verschwitzten Sachen und begaben uns ohne weiteren Zeitverlust als den des Duschens in die Gastronomieabteilung, wo für teuer Geld lecker Speis und brauchbar Bier den Weg in den Gierschlund fanden.
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Der nächste Morgen begann vor dem offiziellen Büffettstart und sah uns beim Benagen der an der Rezeption in Empfang genommenen Frühstücksbeutel. Eine gegen halb acht erschienene Kellnerin schaffte noch Tee heran und kurz nach acht starteten wir vom Gipfel, zunächst zu Fuß die Fahrstraße hinab, da frisch gestreut war und dann ab dem Parkplatz unterm Gipfel dem roten Wanderweg folgend in Richtung Kühnaibaude (Pláně pod Ještědem), wobei wir hier zum Teil die Abfahrtspiste nutzen konnten. Ab der Kühnaibaude gab es dann über den Lubokaier Kamm (Hlubocký hřbet) nur noch eine Eigenbauspur auf dem Weg, aber dank Gefälle war der blau markierte Weg zur Jeschkenkammbaude (heute Gasthaus U Šámalů) schnell bewältigt und es schloß sich der sog. Proschwitzer Kamm (Rasový hřbet) an, auf dem sich wegen der vielen baumlosen Flächen mindestens 4 alte Wegsteine mit mehr oder minder erhaltenem Kammwegsymbol finden. Nebel und Wind hinderten uns etwas, aber da es weiterhin bergab ging, war Raschen (Rašovka) bald erreicht.
Nun hielt der Weg etwa die Höhe, oberhalb des Ortes Jaberlich (Javorník) marschierten wir kurz durch den Busch, um dann entlang der Straße zur Kapelle am Jaberlichsattel aufzusteigen, der Gipfel selber war dann rasch erreicht, bot aber wenig Besonderheiten, speziell erinnerte nichts mehr an das legendäre Riesenfaß, welches hier viele Jahre gastliche Unterkunft bot. Das unangenehme Knirschen von Steinen unter den Ski unterbrach unsere Talabfahrt bereits wenige Meter nach ihrem Beginn und wir trugen die Sportgeräte bis aufs Feld, um dann in den Ort Hermannsthal (Jeřmanice) zu rutschen. Der grünen Wandermarkierung nach wandten wir uns nach rechts, um dann einen kleinen Linksschlenker und Umweg zu machen, der der Überquerung der Autobahn geschuldet war. Die sträflich illegale Benutzung der Bahnbrücke hätte wohl 500 Meter gespart, aber das sahen wir erst später. Längs der Straße ging es weiter in Richtung Miliře, dann rechts steil den Hang hinauf zum Ort und von nun an rot markiert die Straße nach Ober-Haj (Horní Háje), anschließend wieder auf blau, die Schnellstraße von Liebenau (Hodkovice) nach Gablonz (Jablonec n. Nisou) kreuzend und dann quer durch den Wald steil bergauf nach Gutbrunn (Dobrá Voda), wo wir aber von der Gutbrunnwarte keine Spur fanden, was aber auch am Nebel gelegen haben mag. Nach dem Ort hielten wir uns am Schnuppstein (Vyhlikda) schadlos, ein kleiner Fels oberhalb der Straße, der per Leiter erstiegen werden kann und gute Sicht bietet, sofern kein dicker böhmischer Nebel selbige versperrt. Die nächste Station war Seidenschwanz (Kokonín), wo eine Pause eingelegt wurde, leider verfügte das örtliche Zechhaus nicht über Eßwaren, so daß noch eine Bäckerei besucht wurde. Der entstandenen Auskühlung Rechnung tragend, ging es straßenlatschend steil bergauf zur Schwarzbrunnkoppe (Černá Studnice) mit der Schwarzbrunnwarte, die, wie erwartet, geschlossen war.
Nicht erwartet hatten wir, daß der Schwarzbrunnkamm sich als nur sehr bedingt schitauglich erweisen würde, doch das Kratzen der Steine unter den Brettern ließ wenig Zweifel daran, dass hier Schneehöhen von 1,5 Metern für ungetrübtes Vergnügen herrschen sollten. So ging es also teils zu Fuß, teils zu Ski den Schwarzbrunnkamm (Černostudniční hřbet) entlang bis zum Fliegenstein (Muchov), wo wir den roten Weg verloren und dem originalen Kammwegverlauf folgend nach links auf gelb abbogen, um letztlich unmarkiert Tannwald (Tanvald) zu erreichen, wobei all die schönen Höhenmeter laufend oder auf dem Hintern rutschend verloren gingen.
Ein Würstchenstand sorgte wieder für Kalorienzufuhr, und wir widmeten uns dem Aufstieg zur Stefanshöhe, auch Buchsteinhöhe, der lang und steil war und sich erst ab Prizichowitz (Příchovice) mittels Ski gangbar zeigte. Bereits in der Dunkelheit ereichten wir unser Ziel, die Erzherzog-Stephan-Baude und hatten damit ein ganzes KCT-Kartenblatt durchquert, respektive 40 Kilometer zurückgelegt.
Einige Worte sollen noch zu diesem aussichtsreichen Berg auf der Grenze zwischen Isergebirge und Riesengebirge verloren werden. Ursprünglich hieß er Buchsteinhöhe und wurde nach einem Besuch des Erzherzogs Stephan 1847 vom örtlichen Grundherren Fürst Camille Rohan in Stephanshöhe umbenannt, weil Eindruck geschunden werden sollte. Gleichem Zweck diente auch der Beginn eines Aussichtsturmbaus, der aber unvollendet blieb, weil der Erzherzog bald darauf in Ungnade fiel und nach Ungarn „verbannt“ wurde. Erst der deutsche Gebirgsverein für das Jeschken- und Isergebirge komplettierte das Bauwerk 1892. Drei Bauden befanden und befinden sich in Gipfelnähe, von unten kommend als erstes das Forsthaus, jetzt wohl eine Art Betriebsferienheim, dann die Erzherzog-Stephan-Baude, die nach Gründung der Tschechei enteignet wurde und in den Besitz des KČT überging und bis 1945 den Namen Rohanbaude trug. Heute dient das Gebäude immer noch als Bergbaude und nennt sich Hvězda, zu deutsch Stern. Als letztes und oberstes Gebäude finden wir die Rößlerbaude, die aktuell unter Turnovská chata, also Turnauer Hütte firmiert.
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Der Abend war nicht allzu lang und wurde überwiegend durch Genuss von Grog bestimmt. Als echte Bergbaude gab es hier mit zeitigem Frühstück kein Problem und wohlgenährt standen wir 7:30 Uhr vor der Baude um noch den Aussichtsturm der Stefanshöhe mitzunehmen, der 50 Höhenmeter über der Baude thront. Leider war er verschlossen, so daß uns immerhin der Ausblick zum Tagesziel in weiter Ferne erspart blieb.
Nach einigen Orientierungsproblemen stolperten wir bergab gen Isertal (Jizera) und längs des Tales zur Mündung der Mummel (Mumlava), deren Lauf wir dann aufwärts folgten nach Harrachsdorf (Harrachov), wobei wir uns einige Kilometer Straßenlatsch auf dieser LKW gefüllten Transitstrecke mittels Bus sparten.
Weiter zogen wir durch den Ort und dann das Mummeltal weiter hinauf und schließlich den steilen Harrachsweg empor auf die Höhe des Riesengebirges in Richtung Elbfallbaude (Labská bouda). Die Baude selbst ließen wir rechts liegen und stiegen an der Elbquelle (Pramen Labe) vorbei direkt zum Kamm, wo wir uns nach rechts wandten, um bei strahlendem Sonnenschein und Windstille der Reihe nach Veilchenspitze (Violík), Schneegrubenbaude, Hohes Rad (Vysoké kolo), Große Sturmhaube (Smělec), Mannsteine (Mužské kameny) und Mädelsteine (Dívcí kameny) zu passieren, um an der Peterbaude (Petrova bouda) einen Stopp einzulegen.
Diese traditionsreiche Baude („Blaue Berge, grüne Täler“) war leider verschlossen, daher mußten wir zur Stärkung auf die Spindlerbaude (Špindlerovka) umdisponieren, wobei von Baude im Angesicht des 4-Sterne-Hotels nicht mehr gut zu sprechen ist. Für ein Süppchen reichte es aber und der Anstieg zur Kleinen Sturmhaube (Malý Šišák) erlebte uns nicht völlig unvorbereitet.
Dem Kammverlauf folgend, glitten wir vorbei am Kleinen Rad, dem Lahnberg, den Mittagssteinen (Polední kámen) und dem ehemaligen Standort der Prinz-Heinrich-Baude, um dann zur Wiesenbaude (Luční bouda) abzubiegen.
Hier begegneten uns noch ein paar besonders widerliche Exemplare der Gattung Mensch, die ihre 2 Beine mit Schneereifen bewehrt hatten und diese eifrig dazu benutzten, alle vorhandenen Skispuren zu zertrampeln.
Die Wiesenbaudenübernachtung war für 16 € nur als mäßig zu bezeichnen, auch die Idee des Servicepersonals beim Frühstück, das Wasser für die Thermoskanne extra zu bezahlen sei, sorgte nicht für Frohsinn. Leider dürfte die Zeit der Bergbauden dahin sein und es wird wohl der Tourismus vermittels Schneemobil etc. Einzug halten.
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Wir begaben uns jedenfalls am nächsten Morgen gegen neun wieder zum Kamm, um oberhalb des Kleinen Teiches und der Hampelbaude über den Koppenplan zum Schlesierhaus (Schronisko pod Sniezka) zu rutschen, wobei sich starker Wind unangenehm bemerkbar machte. Auf die Ersteigung der Koppe (Sněžka) verzichteten wir angesichts der riesigen Wolkenfahne rings um den Gipfel und begaben uns linksansteigend auf dem Jubiläumsweg in die Flanke des Berges, wo noch einigermaßen Windschatten herrschte. Auf dem Grenzgrat gerieten wir dann aber richtig in den Sturm, so daß eine wenig geordnete Flucht bergab einsetzte, wo dann nach Erreichen halbwegs ebenen Geländes auch die Ski wieder zum Einsatz kamen.
Der Faltisweg führte uns über den windumtosten Riesenkamm und erst mit Überschreitung der Schwarzen Koppe (Svorová hora) wurde das Fahrwasser ruhiger, den Abstieg zur Emmaquellenbaude (Jelenka) bewältigten wir zu Fuß, und im Sattel vor dem erneut aufsteilenden Kamm (Schmiedeberger oder Forstkamm) entschlossen wir uns zur Umgehung auf dem bewußten Faltisweg, der heute als Skimagistrale ausgeschildert ist, und erreichten so Ober-Kleinaupa (Horní Malá Úpa) mit seinem Abfahrtskizirkus.
Von hier hätte die Originalroute über den Kolbenkamm (Lysečinsky hřbet) geführt, aber wir scheuten die stürmischen Höhenlagen und den wahrscheinlich ungespurten Pfad und begaben uns in der Flanke des Kammes auf gut gewalzter Piste mit dem rot markierten Weg weiter nach Schwarzwasser und den obersten Häusern von Nieder-Kleinaupa und von hier zur Kolbenkammbaude (Lysečinska bouda), die erfreuliche Rast bei gutem Bier und feinem Süppchen bot.
Hier trafen wir wieder auf den grünen Weg, der vom Kolbenkamm herabzog und verfolgten diesen nun über den ab hier wieder flacheren, Hexenlehne genannten, Grat zwischen Schlesien und Böhmen ins Rehhorngebirge. In sanftem Auf und Ab ging es auf endlich unzertrampelter Spur dahin, am Albendorfer Sattel, wo die ehemalige Fahrstraße vom böhmischen Albendorf (Albeřice) ins schlesische Kunzendorf (Opawa) den Kamm überquert, den tiefsten Punkt erreichend und von da an stetig bergauf nach dem kleinen Örtchen Rehhorn (Rychory) mit dem Rehhornkreuz und weiter auf die weite und im Gipfelsinne wenig markante Hochfläche des Hofelbusch (Dvorský les), wo sich kurz der Blick zur unweit gelegenen Rehhornbaude öffnete.
Von hier aus begann dann die bisher beste Talfahrt meines Langlaufdaseins, im Gegensatz zu den steilen und halsbrecherischen Abfahrten im Riesengebirge senkte sich der rote Weg gutmütig gen Tal und später liefen die Ski über weite und gut verschneite Wiesenflächen hinab und die Tour endete an den obersten Häusern von Trautenbach (Babi). Den Weiterweg nach Trautenau (Trutnov) setzten wir mit dem Bus fort und wechselten dann in den Zug, der uns nach Turnau (Turnov) brachte, wo über Nacht Quartier genommen wurde.
Mit dem Kauf eines leckeren Fässleins Bier in Malý Rohozec und der Heimreise über Reichenberg (Liberec), Grottau (Hrádek nad Nisou), Zittau, Warnsdorf (Varnsdorf), Teichstatt (Rybniště), Rumburg und Schluckenau (Šluknov) endete der lustige Ausflug.
Druckversion zuletzt bearbeitet am: 23.10.2010













































































